Rallye Dakar 2016

„Urlaub würde ich das nicht nennen …“

 

Die Rallye Dakar stellt Fahrer vor unmenschliche Belastungsproben. MAN-Mitarbeiter Florian Reiter aus Garmisch-Partenkirchen konnte das nicht abschrecken – er fuhr das härteste Langstreckenrennen dieses Jahr zum ersten Mal selbst auf einem TGS 6×6 Service-Truck mit. Wahrscheinlich nicht das letzte Mal, denn die Mischung aus „Abenteuer und Nervenkitzel“ hat es ihm angetan.

 

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Da sah er noch frisch aus: Florian Reiter kurz vor dem Start der Rallye Dakar in Buenos Aires.

 

Weihnachtsferien – da denken die meisten an gechillte Stunden mit der Familie, Gänsebraten, vielleicht ein bisschen Skifahren oder einen kurzen Abstecher nach Gran Canaria. Aber tagsüber bei 45 Grad Hitze bis zu 18 Stunden lang ohne Pause durch die Wüste brettern und nachts bei Minusgraden auf der Pritsche in der Fahrerkabine bibbern, während sich Mücken an einem satt saugen? Wer bitte tut sich das an?

 

Florian Reiter ist so einer. Er hat das Pkw-Motorsportteam X-Raid auf der diesjährigen Rallye Dakar vom 2. bis 16. Januar als Service-Truck-Fahrer begleitet und extra dafür privat Urlaub genommen. „Naja, Urlaub würde ich das jetzt nicht nennen“, beginnt der 36-Jährige das Gespräch lachend. „Ich verreise schon auch gerne ganz normal, und normal ist auf der Rallye Dakar ganz sicher nichts. Man kennt viele Geschichten in Bezug auf die Dakar und die Strapazen, aber dass das Ganze Mensch und Material wirklich so sehr fordert, war mir wirklich nicht im Detail bewusst! Erst hinterher haben mir alte Hasen gesagt, dass 2016 ein sehr anstrengendes Jahr und der Streckenverlauf anspruchsvoll war. Kein Wunder, dass ich fünf Kilo abgenommen habe. Es war wirklich ziemlich hart.“

 

 

Durch die Wüste mit 600 Reifen

 

Am 28. Dezember ist der Wirtschaftsingenieur, der hauptberuflich als Verkaufsbeauftragter für Lkw und Kommunalfahrzeuge in der MAN Niederlassung in Garmisch-Partenkirchen arbeitet und sich nach dem Job noch bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, mit den 120 Teammitgliedern von X-Raid in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires geflogen. Die 13 MAN TGS Trucks wurden parallel mit der kompletten Ausrüstung über den französischen Hafen Le Havre nach Südamerika geschifft. Die MAN-Trucks sind während der Rallye als fahrende Werkstätten im Einsatz und transportieren alle mechanischen und elektronischen Ersatzteile sowie Werkzeuge. Über 600 komplette Reifen, dazu Carbonteile, Stoßdämpfer, Getriebe, Schweißgeräte – unterwegs ist immer alles dabei, um die Rennautos bei Schäden schnell wieder zum Laufen zu bringen.

 

„Pro Truck sind jeweils drei Teammitglieder an Bord – zwei Mechaniker und der Fahrer“, erzählt Florian Reiter, der den Lkw-Führerschein in seiner Bundeswehrzeit gemacht hat. „Die Aufgabenteilung unterwegs ist ganz klar: Tagsüber bin ich gefahren, während die Mechaniker geschlafen haben. Denn die sind die ganze Nacht wach geblieben, um an den Rallye-Autos zu schrauben, und teilweise erst morgens gegen 6 Uhr in den TGS gekrochen – während ich gerade beim Aufstehen war. Mein Job war es, die Mannschaft und die Gerätschaften heil an den Zielort zu bringen.“

 

 

Heftige Stürme und dünne Luft

 

Das hört sich beschaulicher an, als es war. Wenn die begleitenden Service-Fahrer auch eine separate, leichtere Strecke als die Wettkampfpiloten fahren dürfen, seit die Rallye Dakar in Südamerika stattfindet, so bleiben die Bedingungen doch knackig.

 

„Zunächst einmal interessieren die in Zentraleuropa geltenden Lenk- und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer auf der Rallye Dakar niemanden“, erinnert sich Florian Reiter. „Hier wird gefahren und gefahren, einmal sogar bis zu 18 Stunden am Stück. Dann hat es 2016 extreme Wetterkapriolen gegeben, heftige Stürme und starke Niederschläge. Die eine Nacht hatte ich 46 Grad im Fahrerhaus, konnte aber das Fenster nicht aufmachen, weil einen sonst die Mücken totstechen. Oben in den Anden auf 4500 Höhenmetern herrschen dann wieder Minusgrade und man fängt an zu hecheln, weil die Luft dünn wird. Und das alles muss man zusätzlich zur Navigation ohne Beifahrer bewältigen, weil die beiden Mechaniker ja tagsüber fast nur schlafen. Über die Duschen will ich gar nicht reden … Naja, ich wollte vorher etwas mehr trainieren, um körperlich wirklich richtig fit zu sein, aber zeittechnisch konnte ich das nicht in Summe umsetzen. Aber zum Glück hat mich meine Kondition trotzdem nicht im Stich gelassen. Ich hatte natürlich auch regelmäßig Kontakt zu unseren drei Jungs, die mit dem MAN eigenen Service 6×6 alle MAN-Teams mit Ersatzteilen und jeglicher Art von Service unterstützen. Ich muss sagen, die Jungs machen wirklich einen super Job auf der Dakar!“

 

Mit anderen Worten: Florian Reiter hatte einen Riesenspaß und wird 2017 wieder dabei sein. Denn die Mischung aus Abenteuer und Nervenkitzel ist zwar höchst anstrengend, aber eben auch: hochgradig ansteckend. Wer einmal die Dakar fährt, der will wieder hin!

 

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Für das Motorsportteam X-Raid waren in Bolivien und Argentinien insgesamt 13 MAN-Fahrzeuge als Service-Trucks unterwegs.

 

 

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Auf der dritten Etappe von Villa Carlos Paz nach Termas de Río Hondo hatte Florian Reiter kurz Zeit für diesen Schnappschuss.

 

 

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Die MAN TGS 26.480 6×6 BB kamen als fahrende Werkstätten zum Einsatz, weiterhin waren ein MAN mit Küchenaufbau und eine MAN Sattelzugmaschine mit Auflieger als fahrendes Ersatzteillager mit von der Partie.

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